Hydrodissektion bei Rückenschmerzen

Faszien gezielt behandeln – Beweglichkeit verbessern

Rückenschmerzen entstehen nicht immer allein an Bandscheiben oder Wirbelgelenken. Auch Muskeln, Triggerpunkte und die thorakolumbale Faszie – eine große Bindegewebsschicht im unteren Rücken – können an anhaltenden Beschwerden beteiligt sein.

Sind die Gewebeschichten verdickt, gereizt oder gegeneinander schlecht verschieblich, können Schmerzen, Spannungsgefühle und Bewegungseinschränkungen entstehen. Mit der ultraschallgesteuerten Hydrodissektion möchten wir auffällige Faszien- und Muskelschichten gezielt voneinander lösen und ihre Gleitfähigkeit verbessern.

Was ist eine Hydrodissektion?

Bei der Hydrodissektion wird eine feine Nadel unter direkter Ultraschallkontrolle an die betroffene Gewebeschicht geführt. Anschließend wird Flüssigkeit vorsichtig zwischen Faszien- oder Muskelschichten eingebracht.

Die Flüssigkeit breitet sich im natürlichen Gewebespalt aus und trennt die Schichten behutsam voneinander. Ziel ist es,

  • eingeschränkte Gleitbewegungen zu verbessern,
  • lokale Spannungen und Reizungen zu vermindern,
  • schmerzhafte Faszien- und Muskelbereiche zu entlasten,
  • eine bessere Grundlage für Bewegung und Training zu schaffen.

Die Behandlung erfolgt nicht nach einem starren Schema, sondern auf Grundlage der ärztlichen Untersuchung und des Ultraschallbefundes.

Wie läuft die Behandlung ab?

Zunächst erfolgen Anamnese, körperliche Untersuchung und eine gezielte Ultraschalldiagnostik. Unter sterilen Bedingungen wird die Nadel anschließend im Ultraschall bis zur vorgesehenen Gewebeschicht geführt. Die Ausbreitung der Flüssigkeit und die Trennung der Schichten können dabei unmittelbar beobachtet werden.

Der Eingriff ist in der Regel ambulant. Die Anzahl der Behandlungen richtet sich nach Befund, Verträglichkeit und Verlauf. Anschließend ist meist eine Kombination mit gezielten Übungen, Physiotherapie oder medizinischer Trainingstherapie sinnvoll.

Was ist nach der Behandlung zu beachten?

Vorübergehend können ein Druckgefühl, leichter Wundschmerz, eine kleine Schwellung oder ein Bluterguss auftreten. Stärkere Belastungen sollten nach ärztlicher Empfehlung kurzzeitig reduziert werden. Leichte Bewegung ist häufig erwünscht.

Bei zunehmender Rötung, Überwärmung, Fieber, ungewöhnlich starken Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Kraftverlust sollte die Praxis zeitnah kontaktiert werden.

Welche Risiken bestehen?

Wie bei jeder Injektion sind unter anderem Schmerzen, Bluterguss, Blutung, Infektion, Kreislaufreaktionen sowie eine vorübergehende Beschwerdezunahme möglich. Sehr selten können Nerven, Gefäße oder andere benachbarte Strukturen verletzt werden. Die Ultraschallsteuerung dient dazu, die Zielstruktur und den Verlauf der Nadel präzise darzustellen.

Vor der Behandlung müssen insbesondere Blutverdünner, Gerinnungsstörungen, Infektionen, Allergien und relevante Vorerkrankungen besprochen werden. Bei PRP ist zusätzlich eine Blutentnahme erforderlich. Für die individuelle Behandlung gelten die ärztliche Aufklärung und Einwilligung.

Welche Substanzen kommen infrage?

Je nach Befund und Behandlungsziel können unterschiedliche Lösungen eingesetzt werden:

Kochsalzlösung

Physiologische Kochsalzlösung dient vor allem der mechanischen Trennung der Gewebeschichten. Sie enthält weder Kortison noch ein örtliches Betäubungsmittel.

PRP – körpereigenes Blutplättchenkonzentrat

PRP wird aus einer kleinen Menge des eigenen Blutes gewonnen. Es enthält konzentrierte Blutplättchen und verschiedene körpereigene Botenstoffe. PRP kann erwogen werden, wenn neben der mechanischen Lösung der Faszienschichten auch biologische Heilungs- und Regulationsprozesse unterstützt werden sollen.

Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil des Bindegewebes und spielt bei der Gleitfähigkeit von Faszienschichten eine wichtige Rolle. Ihr Einsatz an der thorakolumbalen Faszie ist wissenschaftlich interessant, befindet sich für diese Anwendung jedoch noch in einem frühen klinischen Forschungsstadium.

Ob Kochsalz, PRP, Hyaluronsäure oder eine Kombination medizinisch sinnvoll ist, wird individuell entschieden. Nicht jede Substanz ist für jeden Patienten geeignet.

MVZ Flugfeld Axomera Schmerztherapie Rücken

Für wen kann die Behandlung infrage kommen?

Eine Hydrodissektion kann nach sorgfältiger Diagnostik erwogen werden bei:

  • chronischen oder wiederkehrenden Rückenschmerzen,
  • druckschmerzhaften Muskel- und Faszienstrukturen,
  • myofaszialen Schmerzen und Triggerpunkten,
  • eingeschränkter Verschieblichkeit von Gewebeschichten,
  • Beschwerden, die durch Bewegung oder Belastung ausgelöst werden,
  • unzureichendem Erfolg bisheriger konservativer Behandlungen.

Vor jeder Behandlung prüfen wir, ob tatsächlich eine myofasziale oder fasziale Schmerzkomponente wahrscheinlich ist. Andere Ursachen – etwa ein Bandscheibenvorfall, eine Nervenkompression, Entzündung, Fraktur oder Erkrankung innerer Organe – müssen berücksichtigt beziehungsweise ausgeschlossen werden.

Ergänzende Stoßwellen- und manuelle Therapie

Um das Behandlungsergebnis zu unterstützen, kann die Hydrodissektion in ein kombiniertes Behandlungskonzept eingebettet werden. Je nach Befund setzen wir ergänzend fokussierte oder radiale Stoßwellen, myofasziale Techniken, Faszientechniken und manuelle osteopathische Verfahren sowie EMTT, Axomera und Kinesiotaping ein.

Die fokussierte Stoßwellentherapie ermöglicht eine gezielte Behandlung tiefer liegender schmerzhafter Strukturen und Triggerpunkte. Radiale Druckwellen wirken eher flächig auf oberflächennahe Muskel- und Faszienbereiche. Ziel beider Verfahren ist es, lokale Schmerzen und Muskelspannungen zu reduzieren, die Gewebedurchblutung und den Stoffwechsel anzuregen sowie die Beweglichkeit der behandelten Region zu unterstützen.

Manuelle myofasziale und osteopathische Techniken ergänzen die Behandlung, indem sie funktionelle Spannungsmuster, Bewegungseinschränkungen und das Zusammenspiel benachbarter Körperregionen berücksichtigen. Anschließend helfen individuell ausgewählte Übungen und medizinische Trainingstherapie dabei, die erreichte Beweglichkeit aktiv zu nutzen und den Rücken langfristig belastbarer zu machen.

Welche Kombination sinnvoll ist und in welcher Reihenfolge die einzelnen Verfahren eingesetzt werden, richtet sich nach Untersuchung, Ultraschallbefund, Beschwerden und Verträglichkeit. Nicht jeder Patient benötigt alle Behandlungsbausteine.

Was sagt die Wissenschaft zur Kombination?

Systematische Übersichten zu chronischen Rückenschmerzen zeigen, dass die extrakorporale Stoßwellentherapie Schmerzen und Funktion kurzfristig verbessern kann. Auch für myofasziale Techniken und osteopathische Behandlungen gibt es Hinweise auf eine unterstützende Wirkung. Manuelle Verfahren werden dabei überwiegend als Bestandteil eines multimodalen Konzepts zusammen mit Bewegung, Aufklärung und aktivem Training empfohlen.

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Präzision durch Hightech-Ultraschalldiagnostik

Mit hochauflösenden 18-, 22- und 24,5-MHz-Ultraschallsonden, Farbdoppler und Elastographie können wir Muskelknoten, Faszienverdickungen, erhöhte Gewebesteifigkeit sowie eine verminderte Verschieblichkeit der Faszienschichten differenziert beurteilen. Die schnelle, strahlungsfreie und schonende Untersuchung eignet sich für die Erstdiagnostik und die Verlaufskontrolle. Während der Behandlung können wir außerdem die Nadelposition und die Ausbreitung der Injektionslösung in Echtzeit präzise darstellen und überwachen.

Die Behandlung erfolgt mit einer feinen Injektionsnadel. Während der Injektion können vorübergehend ein Druckgefühl oder kurzzeitige Missempfindungen auftreten.

Das ist individuell unterschiedlich. Je nach Ursache, Ausprägung und Verlauf kann bereits eine Behandlung zu einer Verbesserung führen. In anderen Fällen können weitere Behandlungen sinnvoll sein.

Der Verlauf ist individuell. Manche Patienten berichten relativ früh über eine Veränderung ihrer Beschwerden, bei anderen entwickelt sich die Verbesserung über einen längeren Zeitraum.

Durch die kontinuierliche Ultraschallkontrolle können Nerv, Nadel, Gefäße und angrenzende Strukturen während des Eingriffs dargestellt werden. Wie bei jeder Injektion bestehen dennoch mögliche Risiken und Nebenwirkungen, über die wir vor der Behandlung individuell aufklären.